Rückblick

Netzwerktreffen 2010
"Kinder stärken, Persönlichkeit fördern, Resilienz verstehen"
Mittwoch, 28. April 2010 - in Weinfelden

Sabine Brüni Wieland
Netzwerk Gesunde Schule Thurgau
Perspektive Thurgau

Nach den einleitenden Begrüssungsworten von Jenny Wienrich, richteten drei Gastreferenten in Form von Marionetten das Wort an die 70 Teilnehmenden des diesjährigen Netzwerktreffens Gesunde Schule Thurgau. Werner Bühlmanns Tösstaler Marionetten brachten die Leute zum Lachen und zum Nachdenken.
Ein Tipp zum Thema Resilienz von der Gastreferentin Zauberin: „Lernt fliegen“.

Mit Corina Wustmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI) Zürich, konnte eine kompetente Referentin gewonnen werden.
Sie vermittelte auf frische und interessante Weise die wichtigsten Faktoren für Resilienz und präsentierte neue Erkenntnisse aus der Forschung.
Resilienz definierte Wustmann als psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken.
Anhand von zwei prominenten Beispielen zeigte Wustmann auf, wie sich Kinder trotz äusserst belastenden Lebensumstände zu gesunden starken Menschen entwickeln können:
Die Hauptfigur, der indische Junge Jamal, zeigt in dem mit acht Oscars ausgezeichneten Film „Slumdog Millionaire“, wie er trotz schwieriger Kindheit unter widrigsten Umständen ein starker, selbstbewusster und glücklicher junger Mann werden konnte.
Ein anderes berühmtes Beispiel für ein resilientes Kind sei Pippi Langstrumpf. Ohne Eltern, alleine in einem Haus, Analphabetin und in der heutigen Zeit sicherlich auch als ADHS-Kind bezeichnet, zeige sie ein riesiges Potenzial an Stärken auf, die diese Figur so liebenswert machen; Pippi ist zielorientiert, eigensinnig, kreativ, wissbegierig und stark, und sie hat Freunde, auf die sie sich verlassen kann. Im Fachjargon der Resilienzforschung würde man dies als selbstwirksam zusammenfassen.

Als resilient bezeichnet man also die sogenannten Stehaufmännchen, solche mit einer hohen Bewältigungsfähigkeit von schwierigen Situationen, solche die sich im Sturm biegen, aber nicht brechen oder auch solche, die in den Strudeln des Lebens schwimmen , obwohl sie eigentlich schon längst untergehen hätten sollen.
Resilienz, so Corina Wustmann, sei kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, es sei eine Fähigkeit, die man lernen könne bis ins hohe Alter. Aber es sei kein stabiler, immerwährender Zustand.

Die Resilienzforschung sucht danach, was die Gründe für eine selbstwirksame Entwicklung sind. Den Fokus richtet man dabei vor allem auf die Schutzfaktoren. Nebst den Kohärenzgefühlen des Individuums (Gefühle der Verstehbarkeit, der Bewältigbarkeit und der Sinnhaftigkeit) spielen externe Schutzfaktoren, wie enge Bezugspersonen, Rollenvorbilder für konstruktives Bewältigungsverhalten im sozialen Lebensumfeld natürlich eine grosse Rolle.
Die Schule kann dabei als eine Nische, als Schutzraum unterstützend wirken: Stärkende Pädagogik beobachtet und beachtet kindliche Potentiale und vermittelt dem Kind: „Du wirst gesehen, du kannst etwas bewegen, du bist wertvoll.“
Wustmann weist darauf hin, dass Lehrpersonen dazu ihre eigene pädagogische Haltung immer wieder überdenken müssen. Der Ansatz dabei sollte das halbvolle, statt das halbleere Glas sein. Dabei muss die Lehrperson aber nicht die Elternersatzrolle einnehmen, vielmehr sollte die Situation erkannt und nach einer Drittperson gesucht werden, welche dem gefährdeten Kind das Gefühl gibt, dass es wichtig ist und etwas erreichen kann im Leben.
Die Referentin warnt zum Abschluss davor, nach Patentrezepten zu suchen, wie sie in vielen Ratgebern oder in Schnellbleichen in „Resilienzzentren“ angeboten werden. Vielmehr sollte dem Kind ein natürliches Umfeld geboten werden, wo zum Beispiel bei kreativen Bewegungsmöglichkeiten Erfolgserlebnisse vermittelt werden können.

Nach der Pause, in welcher man sich mit dem liebevoll zubereiteten Zvieri der Kinder der Flic Flac Tages Schule verpflegen konnte, teilten sich die Lehrpersonen dann in die verschiedenen Workshops auf.

Eine enorme Dynamik spürte man im Workshop „ich- du-wir Sozialkompetenz“ mit Rebecca Romano von ‚Task Force, Prävention, Intervention und Weiterbildung’ aus Steffisburg. Eine Aufgabe der spielerisch gebildeten Teams war es zum Beispiel, den Begriff Resilienz als Statue darzustellen. Zudem wurden Umsetzungsformen aus dem methodischen Ansatz des Themenzentrierten Theaters TZT® vorgestellt.

Im Workshop „Mind Matters“, einem Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit, stellte Edith Lanfranconi, Koordinatorin des Schweizerischen Netzwerkes Gesundheitsfördernder Schulen, Radix Luzern, Unterrichtsmaterialien zu Themen wie ‚Stress’, ‚Mobbing’, ‚Verlust und Trauer’ oder ‚Freunde finden’ vor.

„Wie Hindernisse Ressourcen zu Tage bringen“ zeigten die Erlebnispädagogen Gregor Spiegelberg und Huldi Hug auf und schilderten ihre Arbeitsweise wonach innere Wertsäulen der Kinder und Jugendlichen ausgebildet werden und zur Selbstreflexion angeregt wie Fragen wie: ‚was kann ich’, ‚wer bin ich’, ‚was und wohin will ich’ und ‚wie komme ich dort hin’ sollen so helfen eine Antwort finden.

Aus der Praxis stellten der Schulleiter Beat Goldinger und der Schulberater Stephan Hugentobler vor, wie sie Sozialtraining an der Primarschule umsetzen. Um von Feuerwehrübungen wegzukommen und stattdessen das Sozialverhalten der Klassen grundlegend aufzubauen und dadurch präventiv zu handeln, arbeitet die Schule Kurzdorf in Frauenfeld ein einheitliches kohärentes Vorgehen aus, wobei auf die Partizipation der Kinder grossen Wert gelegt wird.

Wie Werner Bühlmann vom Tösstaler Marionettentheater mit seinen Figuren praxisorientiert arbeitet, stellte dieser in seinem Workshop „Weisch Was d’ Wotsch?“vor.

Seine reizenden Figuren bildeten dann auch den Abschluss des interessanten und abwechslungsreichen Nachmittages: Bühlmann erzählte und spielte die Geschichte „vom Mariechäferli, wo gern e Bassgiige gsi wär“ und am Schluss der Geschichte aber mit einem Tüpfli mehr auf dem Rücken doch lieber ein stolzes, starkes, schönes und somit selbstwirksames Marienkäferli bleiben will.

 
Das nächste Netzwerktreffen

Das nächste Netzwerktreffen findet am 23. März 2011 in Frauenfeld statt.


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